Unser Wald

Immer wieder dringen Nachrichten von Waldrodungen zu mir durch, die unserer Umwelt nicht gerade zuträglich sind. Der letzte Aufschrei innerhalb Deutschlands kommt vom Hambacher Wald. Hier soll der Forst für einen neuen Braunkohletagebau weichen. Doch auch geschützte Waldgebiete weltweit sind vor Gefahren nicht sicher. Hauptsächlich wegen illegalem Holzeinschlag, Wilderei oder Bergbau.

Aber nicht nur deshalb habe ich mich in letzter Zeit intensiver mit dem Thema Wald auseinander gesetzt. Wie für viele Menschen, ist auch für mich der Wald ein Ort in dem ich mich der Natur besonders nahe fühle. Bei jedem Spaziergang unter den Baumkronen gibt es etwas zu entdeckten und ich lerne mit jedem Schritt etwas neues dazu. Aber Wald ist nicht gleich Wald. Viele unserer ursprünglichen Wälder wurden ab dem 18. Jhd. in Wirtschaftswälder umgewandelt, da der Bedarf an Bau- und Brennmaterial im Laufe der Zeit immer mehr anstieg. Hierfür wurden schnell wachsende Fichten angepflanzt, weshalb die anderen Baumarten weichen mussten. Eine Holzplantage anstatt eines lebendigen Waldes.

Großflächige Urwaldlandschaften gibt es heute in Europa nur noch sehr wenige. In Deutschland sind es eher Inseln in denen „Wildnis“ wieder zugelassen und erwünscht ist. Dabei spielt die Nationalparkidee eine große Rolle.

Was ist aber der Unterschied zwischen National- und Naturpark? Es sind die Ziele: Während die Naturparks eher touristisch orientiert sind, steht in Nationalparks der Schutz natürlicher Prozesse im Mittelpunkt. Ganz im Sinne von „Natur Natur sein lassen!“

Heute gibt es 16 Nationalparks in Deutschland. Zusammen belegen die 16 Inselflächen gerade mal ein halbes Prozent von Deutschland. Immer wieder scheitern weitere Projekte an wirtschaftlichen Interessen, auch von Teilen der örtlichen Bevölkerung.

Entstehung neuer Wildnis im Nationalpark Bayerischer Wald

Mein Interesse war geweckt die naturnahen Wälder und die „neuen“ Wildnisgebiete zu erkunden. So machte ich mich auf den Weg, jetzt im Herbst, drei der deutschen Nationalparks aufzusuchen und mich von ihrer Vielfalt und Schönheit zu überzeugen.

Angefangen habe ich mit dem ältesten Nationalpark Deutschlands dem Bayerischen Wald (gegründet 1970). Wie der Name schon sagt, befindet sich dieser in Bayern. Doch auf tschechischer Seite grenzt der Nationalpark „Sumava“ an. Zusammen bilden sie das größte Waldschutzgebiet Mitteleuropas und dennoch sind es nur kleine Überbleibsel des ehemaligen böhmischen Waldes.

Außerdem besuchte ich den Nationalpark „Kellerwald-Edersee“, einer der fünf alten Buchenwälder Deutschlands, die 2011 zum Weltnaturerbe ernannt wurden. Die Buche war ursprünglich die, in Mitteleuropa, vorherrschende Baumart, bis sie den Fichtenmonokulturen weichen musste.

Der Edersee im Nationalpark Kellerwald-Edersee enthält, durch die trockenen Monate, nur noch 10% seines Wassergehalts.

Ohne menschliche Eingriffe wäre Mitteleuropa womöglich heute noch ein einziger großer Buchenwald. Daher sind die wenigen restlich verbliebenen alten Rotbuchenwälder wahre Schätze und gehören heute zu den seltensten Waldtypen der Erde. Aus diesem Grund besuchte ich auch den Urwald Sababurg, obwohl er kein Nationalpark ist. Doch hier findet man mächtige alte Hutebäume, wie  meterdicke Buchen oder  800 bis 1000-jährige Eichen.

Als letztes verbrachte ich ein paar Tage im Nationalpark Harz, der seit 2006 aus einer Fusion zwischen den beiden bereits bestehenden angrenzenden Nationalparks „Hochharz“ (1990, Sachsen-Anhalt) und „Harz“ (1994, Niedersachsen) besteht. Einmalig für ein deutsches Mittelgebirge ist die natürliche Waldgrenze des Brockens bei 1100 Metern. In den südlicher gelegenen Alpen befindet diese sich erst bei 1900 Meter, also 800 Meter höher. Im Harz können sehr schön die unterschiedlichen Waldtypen, bedingt durch die Lagen, durchwandert werden. Hier ist die Fichte auch nicht nur Nutzbaum, sonder schon von eh her alt eingesessen. Ab 700 Meter Höhe verliert die Buche an Durchsetzungskraft und die Fichte mischt sich erst einmal ein bis sie ganz die Führung übernimmt. Diese bunte Vielfalt bietet auch spezialisierten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum.

Umgefallene mit Moos überwucherte Bäume nehmen in den dunklen Wäldern des Harzes mystische Züge an.

Wie ihr seht hat jedes Gebiet seine Besonderheiten, doch allen gemein ist die Entscheidung alte, kranke und tote Bäume der Natur zu überlassen, denn diese bilden die Grundlage für die Entstehung neuer Wildnis. Daher sieht man in den Nationalparks an vielen Stellen Baumgerippe stehen und liegen. Doch dieses Totholz ist eine wichtige Nahrungsquelle für viele Pilze, Insekten und Mikroorganismen. Steht es noch dient es einigen Tieren als Unterkunft, wie verschiedenen Fledermausarten, dem Specht oder seinen Nachmietern, beispielsweise dem Sperlingskauz. Ausgelöst von Stürmen und der dadurch erhöhten Population der Buchdrucker (Unterfamilie der Borkenkäfer) kam es zu einem Sterben der schwachen Fichtenkulturen. Diese stellen nun die Basis für neue Wildnis in den Schutzgebieten: artenreicher, vielseitiger und robuster.

Meine Reise hat mich beeindruckt und die entstandenen Bilder sollen euch einen Einblick in diese spezielle Ausstrahlung von Wildnis, ihrer Vielfalt und Schönheit geben. Doch nicht nur der Herbst hat seine Reize, auch die anderen Jahreszeiten haben einiges zu bieten. Somit hab ich noch viel zu entdecken.

 

 

 

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