Neueste Beiträge

  • Von Bläulingen und der Faszination der Spinnen

    Schon zu Beginn der Sommerperiode wurde immer wieder über Dürre und Trockenheit mit weitreichenden Folgen berichtet. Bei mir zu Hause ist mehrmals der Strom ausgefallen, was laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes ebenfalls mit den sinkenden Wasserständen und der dadurch eingeschränkten Funktion der Wasserkraftwerke zu tun hat. Meine Eltern, die eine kleine Schafherde halten, kämpfen seit Wochen um neue Weideflächen. Die Wiesen sind so ausgetrocknet, dass die Tiere innerhalb kürzester Zeit die vorhandenen Nährstoffe abgegrast haben. Was hat das jetzt alles mit Bläulingen und Spinnen zu tun? Naja, viele Bläulinge und Spinnen leben in den Wiesen, wie auch eine Vielzahl weiterer Insekten. Ihnen allen macht die Trockenheit sicherlich sehr zu schaffen. In den letzten Tagen habe ich die Wiesen in meiner Umgebung besucht und war entsetzt. Statt sattem, saftigem Grün und bunten Blüten fand ich nur ausgetrocknete, von der Sonne schwarz verkohlte Überreste. Zu meiner Überraschung wimmelte es jedoch trotzdem von Bläulingen. Bei jedem Schritt flatterte mindestens einer, wenn nicht gar mehrere auf, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Trockenheit macht nicht nur uns zu schaffen. Viele Bläulinge besitzen auf der Oberseite blaue Flügel, daher auch der entsprechende Familienname. Also hieß mein Plan, mich morgens auf die Pirsch zu begeben, wenn die kleinen Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von mindestens 20 mm bis höchstens 35 mm noch recht bewegungsunfähig sind. Anfangs tat ich mir schwer, die hervorragend getarnten Tagfalter zu entdecken, doch einmal einen Blick dafür gefunden, sah ich an fast jeder Pflanze Bläulinge. [Kleiner Exkurs Bläulinge: Aus der Familie der Bläulinge gibt es weltweit mehr als 5.000 Arten. In Deutschland leben laut Fauna Europaea 48 Arten. Viele davon besitzen auf der Oberseite blaue Flügel, daher auch der entsprechende Familienname. Es gibt jedoch auch Bläulinge mit andersfarbigen Flügeln. Die kleinen bis mittelgroßen Tagfalter bewohnen unterschiedliche Lebensräume. Von der Heidelandschaft über Dünen bis hin zu Wäldern, Offenland, Parkanlagen und Gärten kann man vielerorts auf Bläulinge treffen.] Die Morgenspaziergänge setzte ich in den darauffolgenden Tagen weiter fort. Dabei fielen mir auch die vielen Spinnweben auf, die früh morgens durch Tau und Wassertropfen sichtbar werden. Mein erster Gedanke war: Iiiihhh, da will ich nicht reintreten, wie ekelig! Bei näherer Betrachtung faszinierten mich diese Netze, die mit Morgentau benetzt im Sonnenschein funkelten. Wer macht so was, und vor allem wie? Ok, die Frage nach dem Wer ist schnell beantwortet: Spinnen natürlich. Aber wie? Erst durch die Wassertropfen werden die Spinnweben deutlich sichtbar. Hier ein Baldachinspinnennetz. Durch meine Recherche entwickelte sich eine ganz neue Sicht auf die „widerlichen“, achtbeinigen Viecher. Ich lernte, dass ohne Spinnen die Welt ganz anders aussehen würde. Wahrscheinlich gäbe es dann Horrorfilme über Schmeißfliegen oder Stechmücken, die über uns herfallen. Aber mal im Ernst: Spinnen zählen zu den wichtigsten Gegenspielern der Insekten in der Natur. Ohne sie sähe die Waage der Natur anders aus. Dies ist deutlich zu erkennen, wenn Insektizide eingesetzt werden. Dabei sterben nämlich nicht nur die Schädlinge, sondern auch die Spinnen. Einem erneuten Befall von Schädlingen hat die Natur dann nichts mehr entgegen zu setzen und der Schaden kann nun viel gravierender ausfallen. Nicht alle Spinnen weben Netze. Die Wolfsspinne geht in der Nähe ihres Versteckes aktiv auf die Jagt. Spinnen in Baldachinen hängen unterhalb der Gewölbes mit der Bauchseite noch oben und warten auf herabfallende Insekten. Aber kommen wir auf die Frage der Spinnweben zurück. Der Spinnenfaden ist eines der Wunderwerke der Natur. Oft wurde versucht ihn nachzubilden oder zu kopieren, was aber mit all seinen Eigenschaften nie gelungen ist. Er verbindet in wunderbarer Weise Elastizität mit Reißfestigkeit, obwohl es sich chemisch gesehen eigentlich nur um eine Eiweiß- und Zuckerverbindung handelt. [Kleiner Exkurs Spinnen: Alle Spinnen leben räuberisch und sind auf der Jagd nach Insekten. Aus diesem Grund haben sie eine bedeutende Rolle in der Natur als Regulator der Insektenfauna. Anders als bei vielen uns bekannten Lebewesen, liegen einige Sinnesorgane der Spinnen in ihren langen haarigen Beinen. So dienen diese nicht nur zur Fortbewegung – selbst glatte Wände und sogar Fensterscheiben können erklettert werden –  sondern auch zum Riechen, Hören und Fühlen. Und zu guter Letzt werden mit ihrer Hilfe die Spinnennetze gewebt. Das Gift unserer heimischen Spinnenarten ist für den Menschen ungefährlich. In der Regel sind ihre Beißwerkzeuge zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen.] Obwohl die Hitze auch den Lebensraum vieler Insekten verändert und ihnen das Überleben schwer macht, gibt es sie immer noch. Die Frage ist nur: wie lange noch? In Berichten habe ich gelesen, dass mittlerweile 75 % der Biomasse zurückgegangen ist. Bemerken kann man das vor allem an den sauberen Windschutzscheiben der Autos. Daher freue ich mich über jedes kleine Lebewesen, das mir über den Weg läuft und welches ich beobachten kann. Schattenwesen im Spotlight.

  • Naturparadies Ardèche

    In den letzten zwei Jahren musste ich meinen Urlaub nach Frankreich coronabedingt leider immer wieder aufschieben. Doch dieses Jahr gab es kein Halten mehr und es ging mit Sack und Pack an den Chassezac, meine zweite Heimat im Département Ardèche. Die Wiedersehensfreude war riesengroß und Alles immer noch so vertraut wie seit Kindertagen. Nun konnte ich ohne lange Recherche und Erkundungstouren an den bekannten Schauplätzen auf Motivsuche gehen. In den Trockentälern wimmelte es in den verbliebenen Tümpeln und Pfützen von Kaulquappen, räuberischen Larven, Wasserskorpionen, Blutegeln, Fröschen, Molchen und vielem mehr. Die Sträucher, Bäume und Wiesen präsentierten in den kommenden zwei Wochen ihr schönstes Blütenkleid, welches eine Fülle an Insekten und Tagfaltern anlockte. Zum ersten Mal gelang es mir, mit dem Segelfalter einen der größeren Ritterfalter Europas vor den Sensor zu bekommen. Des weiteren sorgten Spinnentiere dafür, mir die lästigen Mücken und Fliegen vom Hals zu schaffen. Über mir kreisten, wie eh und je, die Schwarzmilane auf der Suche nach Aas. Auch ein Schlangenadler blitzte kurz am Himmel auf und verschwand wieder im Getümmel der Greifer. Einige Orchideen konnten es auch schon nicht mehr erwarten, ihre besonderen Formen und Farben zu offenbaren, doch für die Bienenragwurz war es dann leider doch zu früh. Die zwei Wochen vergingen einfach viel zu schnell, und trotzdem konnte ich einige neue Szenen einfangen, welche mir schon lange im Kopf herumschwebten.

  • Sternstunden eines Jahres

    Rückblende auf ein ereignisreiches 2021 Immer noch hat uns das Auf und Ab der Pandemie-Notfallpläne voll im Griff. Und ich merke, wie sich in mir Wellen des Ärgers, der Frustration und der Resignation auftürmen und aufgrund der schlicht nicht mehr nachvollziehbaren Regelungen einen Reigen tanzen. Müdigkeit legt sich über dieses Thema. Die Hoffnung, sich irgendwann wieder frei bewegen zu können, rückt in weite Ferne. Der letzte analytische Blick bevor es los geht. Koritnica, Slowenien Jedoch soll dies kein Bericht über das omnipräsente Thema werden, sondern ein kleines aber feines Feuerwerk über Augenblicke der Freiheit – den gegenwärtigen Bedingungen zum Trotz! Auch in diesem Jahr steckte ich viel Zeit in meine sportlichen Aktivitäten. Doch dieses Mal versuchte ich, meine Leidenschaft für die Fotografie stärker zu integrieren. Es freut mich sehr, dass vor allem das Kajakfahren in der ersten Hälfte des Jahres wieder vermehrt Einzug in mein Leben gehalten hat. Mein Freund und ich passten jede Gelegenheit ab, um zum Paddeln in den Alpenraum zu fahren. Dabei überquerten wir die Grenzen nach Österreich, Italien, Frankreich, Slowenien und in die Schweiz. Alles keine allzu weiten Ziele, aber trotzdem jedes Mal ein kleines Abenteuer. Was mich bei der Kajakfotografie besonders fasziniert, ist das Ablichten von Motiven an Orten, die für Wanderer kaum zugänglich sind – ein Privileg, dessen ich mir sehr bewusst bin. Allerdings muss man dafür die Fotoausrüstung im Boot transportieren, was in wilden Gewässern eine ganz schöne Herausforderung darstellt. Dabei gilt es natürlich auch, sich auf die notwendigsten Ausrüstungsgegenstände zu beschränken, was mir persönlich besonders schwer fällt. Glücklicherweise ist mein Partner ein langjähriger Kajakfotograf und stand mir oft mit Rat zur Seite. Auch in Bezug auf die Bildgestaltung lernte ich durch ihn neue Blickwinkel und Betrachtungsweisen kennen. Mit Freunden wagte ich mich im Oktober auf eine Mehrtagestour an der Ostküste Sardiniens entlang. Auch hier stellte ich mich der Herausforderung, ein Zusatzgewicht von etwa sechs Kilogramm Fotoausrüstung mitzuschleppen – was sich auf alle Fälle rentiert hat! Die Landschaft war grandios und mich machte es sehr glücklich, die vielen Eindrücke auch auf Chipkarten konservieren zu dürfen.   In der zweiten Hälfte des Jahres wurde ich auch im Klettern wieder aktiv und versuchte mich in der Bildgestaltung von Felsathleten in ihrem Habitat. Gerade auf Sardinien ermöglichten mir die Rahmenbedingungen, tolle Perspektiven mit geringem Aufwand auszuprobieren und festzuhalten. Die Outdoor Sportfotografie unterscheidet sich meiner Ansicht nach deutlich von der Naturfotografie. Sie beinhaltet die Arbeit mit Menschen, die allerdings – wie auch die Hauptdarsteller in der Tierfotografie – nicht immer das machen, was man sich als Fotograf wünscht. Aber auch wenn man den meisten „Models“ seine Wünsche kommunizieren kann, wenn es darauf ankommt, ist mir ein natürliches Verhalten lieber als gestellte Szenen. Meine Begeisterung für die Fotografie finde ich aber in beiden Spielarten wieder.

  • April April – der macht was er will

    Schon im Vorfrühling fängt das Leben im Wald an zu pulsieren. Das Trommeln der Spechte ist lautstark über Feld und Flur zu hören. Es dient zur Reviermarkierung und Partnerwerbung. Je wärmer und länger die Tage werden, desto turbulenter geht es im Wald und am Waldrand zu. Die Vögel suchen nach Partnern und geeigneten Brutplätzen. Es wird gejagt, verteidigt, geworben, gezwitschert und tiriliert. Ab Mitte März kippt das Verhältnis zwischen Tag und Nacht. Die Tage werden nun immer länger und wenn die Temperaturen dann auch noch über 10° Grad steigen, ist das der Startschuss für die Frühblüher. Das kahle Walddach lässt genügend Sonnenstrahlen für die ersten Blümlein bis zum Boden durch. Dazu gehören unter anderem auch Waldschlüsselblume, Schneeglöckchen, Leberblümchen, Märzenbrecher und Buschwindröschen. Sie müssen sich sputen, bevor das Blätterdach zu dicht wird und kaum mehr Licht für die Bodenpflanzen durchlässt. Auf den Wiesen machen sich ebenfalls Farbkleckse in Form von Krokussen, Narzissen, Gänseblümchen, Löwenzahn und viele weitere breit. In wenigen Gebieten blüht auf Magerrasen die seltene und geschützte Küchenschelle. Diese Nahrungsquellen locken auch die ersten Insekten aus ihren Winterquartieren. Mittlerweile summt und brummt es überall. Die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sammeln den begehrten Nektar und sorgen so für Bestäubung und Fortpflanzung. Alles scheint sehr idyllisch. Doch der April ist mit seinem wechselhaften Wetter unberechenbar. Nächte unter Null und Schneestürme wechseln sich mit Temperaturen über 20 Grad ab. Eine ganz schöne Herausforderung für die zarten Blüten der Pflanzen und ihre Besucher. Der April lässt die Hyazinthe im Schnee erstarren. Zum Glück hat sich die Natur auch für die Frühblüher etwas einfallen lassen, um diese Zeiten unbeschadet zu überstehen. Schneeglöckchen beispielsweise lagern Salze in ihren Pflanzenteilen ein, damit die Zellen bei Frost nicht gefrieren. Narzissen hingegen nutzen eine Art Schleimstoff als Frostschutzmittel. Und Bäume lagern Zucker in den Zellen ein um das Gefrieren des Wassers zu verhindern. Bei den Knollen-, Zwiebel- und Rhizomen-Gewächsen kommt noch hinzu, dass sie außerdem genügend Reservestoffe für den Neuaustrieb im unterirdischen Organ speichern. So früh im Jahr liefern die Sonne und der Boden nämlich nicht genügend Energie. Daher werden diese Gewächse auch Geophyten, also Erdpflanzen genannt. Trotz der extremen Temperaturschwankungen im April schreitet der Neubeginn des Jahres voran. Mit jedem Spaziergang kann ich beobachten, wie sich die Natur weiterentwickelt. Im Wald werden Nester für den Nachwuchs gezimmert, gewoben und ausgebettet. Die Vöglein sammeln fleißig Material für ihre Nester. Und am Boden wird das braune Laub mehr und mehr vom Grün der sprießenden Jungpflanzen verdrängt.

  • Wintervögel – Daily Soap auf der Terrasse

    Der Frühling steht überall schon in den Startlöchern. Auch bei uns strecken die ersten Zwiebelblümlein ihre Knospen aus dem Boden. Obwohl viele von uns die sonnig-warmen Tage und das Sprießen der Pflanzen kaum erwarten können,  möchte ich euch heute trotzdem noch von meinem Heimkino erzählen, das mit Beginn der kalten Tage seine Premiere hatte. Vorsichtig nähert sich das Amselweibchen. Diesen Winter hatte ich erstmals die Gelegenheit, im Garten Futterstellen für unsere Wintervögel zu platzieren. Die Jahre zuvor stand mir schlichtweg kein Garten zur Verfügung. Mit den Kindern bastelte ich Futtersäulen aus PET-Flaschen und hängende Vorrichtungen aus Erdnussdosen mit meisenknödelartigem Inhalt. Diese drapierten wir dann gut sichtbar vor dem Terrassenfenster und warteten auf den Besuch. Wer wohl alles kommen wird? Zuerst waren die kleinen Piepmätze noch etwas skeptisch, und nur die ganz Mutigen wagten sich für Sekundenbruchteile an die Futterstellen. Für Bodenpicker wie Drosseln, Rotkehlchen, Heckenbraunelle und Finken wurde ein großer Trog mit Leckereien auf dem Boden angeboten. Die Amseln waren die ersten, die sich langsam mit tippelnden Schritten vorsichtig der Schüssel näherten und diese von allen Seiten misstrauisch beäugten. Doch als der Bann gebrochen war, gab es kein Halten mehr. Zu Hoch-Zeiten umringten zwölf Amseln und mehr den Trog und stritten sich um die Vorherrschaft über die leckeren Rosinen und Sonnenblumenkerne. Aber auch die mit Fett aufgesogenen Getreideflocken standen hoch im Kurs. Einzig der Feldsperling darf mit der Amsel im Futtertrog nach Leckereien picken. Rush Hour war Morgens, Mittags und am späten Nachmittag. Hierbei umschwirrten Meisen die hängenden Futterstellen und zeigten, was Flugkunst eigentlich bedeutet. Einige blieben länger, pickten und schauten sich jede zehntel Sekunde um. Andere schnappten sich ein Korn und flogen sofort wieder ins sichere Gebüsch. Bei derartiger Partystimmung das Treiben der Vögel zu beobachten – einfach schee! Zu unseren regelmäßigen Gästen zählten am Boden jede Menge Amseln und zwei Rotkehlchen, wobei das eine bei Sichtung sofort vom anderen verjagt wurde. Ab und zu ließen sich auch eine Heckenbraunelle und ein Feldsperling blicken. In der Luft hingegen waren ausschließlich Kohl- und Blaumeise zugegen. Weitere Vogelarten haben sich nicht in die unmittelbare Nähe des Hauses gewagt. Daher brachte ich kurzerhand im Geäst eines Busches am Grundstücksrand eine weitere Futtersäule an. Diese wurde und wird heute noch von Grünfink, Buchfink und Erlenzeisig regelmäßig aufgesucht – von den Meisen ganz zu schweigen. Mittlerweile werden die Tage wärmer und das Fett in den Erdnussdosen schmilzt und tropft auf das Geländer und die Terrasse. Zeit, die Vorrichtungen im Garten an möglichst schattigen Plätzen zu verteilen. Erlenzeisig-Männchen (links) und -Weibchen (rechts) an der Futtersäule. Das Füttern der Vögel über das ganze Jahr hinweg ist sehr umstritten. Doch eine Aussage deckt sich mit meinen Beobachtungen – die Wildvögel richten sich nach dem Naturangebot. Nur wenn sie keine Nahrung finden, besuchen sie die von uns angebotenen Futterplätze. Sobald jedoch die Natur den abwechslungsreichen Speisetisch eröffnet hat, nimmt die Zahl unserer Besucher rapide ab. Und für die Aufzucht der Jungen kommen definitiv nur Raupen und Insekten in Frage. Für Interessenten habe ich zu einigen Vögeln Steckbriefe erstellt, die ihr Euch unter folgendem Link oder auch dem entsprechenden Menü gerne ansehen könnt. Die Liste wird stetig erweitert. > Steckbriefe 

  • Rückblick 2020: Gedanken zum Corona-Jahr – war wirklich alles so schlecht?

    Leider bin ich im vergangenen Jahr nicht so häufig zum Fotografieren gekommen, was nicht nur den Corona-Maßnahmen geschuldet war. Mein 2020 war ein Jahr des Umbruchs, des Neuanfangs, aber auch der Wiederaufnahme. Eine neue Bekanntschaft hat dazu geführt, dass ich alte Outdooraktivitäten, vor allem Paddeln und Klettern, wieder entdeckt habe. Dadurch ist dann das Fotografieren etwas in den Hintergrund geraten, was ich oft bedauerte. Doch ich bin frohen Mutes, dass ich einen Weg finde allen meinen Leidenschaften nachgehen zu können. Sicherlich nicht in dem Umfang, als würde ich mich auf nur eine konzentrieren. Aber oft ist ja nicht die Menge des Konsums ausschlaggebend darüber welchen Mehrwert man daraus zieht, sondern die Qualität. Damit kommen wir zu meiner nächsten Änderung im vergangenen Jahr. Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, ab Mitte März aufs Land zu ziehen. Daher konnte ich trotz der einschneidenden Maßnahmen, welche die Regierung verhängte, ein relativ freies Leben führen. Außer beim Einkaufen und im Umgang mit Freunden habe ich die verhängten Einschränkungen im Alltag kaum wahrgenommen. In meiner Stadtwohnung wäre ich wahrscheinlich eingegangen, wie eine Primel ohne Wasser. Bisher hatte ich gerade in den Urlaubstagen die meiste Zeit und Ruhe, mit meiner Kamera loszuziehen und in die Welt der Motive abzutauchen. Jetzt, da Reisen nur bedingt möglich ist, habe ich meinen Fokus verstärkt auf die heimische Umgebung gelenkt. Das finde ich gar nicht so leicht. Denn der Alltag quatscht mir einfach zu oft dazwischen. Obwohl ich ja nun auf dem Land lebe und der Wald in Katzensprungnähe hinter dem Haus liegt, schaffe ich es, für mein Empfinden, viel zu selten mir ein klein wenig Zeit zu nehmen und loszuziehen. Aber ich bleibe dran. Auch vor der eigenen Tür, bei jedem noch so kleinen Spaziergang, lassen sich tolle Motive finden. Klar – meist nicht ganz so offensichtlich, weil sich vieles im Gewöhnlichen versteckt. Jeder kennt sein Umfeld und gerade da wird am meisten übersehen. Öffnen wir jetzt mal die Augen, bleiben stehen und schauen genauer hin, dann haben wir die Möglichkeit das Besondere im Alltäglichen zu entdecken. Beispielsweise die kräftigen Farben der Gänseblümchen, die fast das ganze Jahr über blühen – in manchen Ländern werden sie die Kleine Margerite genannt. Oder die Meisen, die zwischen den Ästen der Bäume herumturnen. Der Zaunkönig, der am Bächlein oder Tümpel auf die Jagd nach Insekten geht. Der Mäusebussard, der am Straßenrand auf Beute lauert. Oder die Stimmung der Natur, wenn das weiche Licht der Sonne die Landschaft in besondere Farben taucht. Für viele Menschen war 2020 ein Jahr des Überlebens – sei es gedanklich übertragen im privaten Bereich oder tatsächlich im Wirtschaftlichen bis hin zur Existenzgefährdung oder sogar darüber hinaus. Trotzdem gibt es durchaus auch positive Aspekte, zum Beispiel für unsere ökologische Umwelt. Allein, dass sich der „Earth Overshoot Day“ letztes Jahr um einige Wochen nach hinten verschoben hat und zwar vom 31. Juli auf den 22. August, ist sicherlich eine positive Folge der Lockdown-Regelungen des vergangen Jahres. Schön wäre es, wenn wir einen Weg finden würden, bewusster mit unseren Ressourcen umzugehen. Ich bin überzeugt, wenn jeder im Alltag seinen Teil dazu beiträgt, sind wir auf einem guten Weg. Meiner Meinung nach können wir als Verbraucher schon auch den Markt ein klein wenig lenken. Denn dass wir etwas bewegen können, hat sich im vergangenen Jahr gezeigt.

  • Hornissen – sind sie wirklich so gefährlich?

    Hornisse am Eingang zur Nisthöhle. Baden-Württemberg Vor zwei Jahren hat mir mein Vater zum ersten Mal ein Hornissennest gezeigt. Unbedingt wollte ich mich mit dem Makroobjektiv auf die Lauer legen und Fotos machen. Mit dem „legen“ war es allerdings so eine Sache, denn das Volk hatte ein Astloch besetzt, das nur mit einer Leiter erreichbar war. Also hieß es Leiter ran und ganz vorsichtig in die Höhe steigen. Im Gegensatz zu anderen Wespenarten sind Hornissen nämlich extrem friedfertig. Sie greifen niemals grundlos an und gehen einem Konflikt lieber aus dem Weg. Mit diesem Wissen nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und hoffte inständig, das das auch stimmte. Anfangs lief auch alles prächtig, die großen Wespen ließen sich von mir überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und gingen emsig ihren Geschäften nach – bis der Hund meiner Eltern aktiv wurde. Fränky, so heißt der jagdbegeisterte Foxterrier, schnappte in wilder Hundemanier nach den fliegenden Brummern und jagte ihnen nach. Die Reaktion der eigentlich friedlichen Hornissen ließ nicht lange auf sich warten. Vor ihrem Heim war an Flucht nicht zu denken. Daher gingen sie zur Verteidigung über. Meine Person vor dem Einflugloch wurde natürlich als Eindringling identifiziert, von der eine Bedrohung ausging – also wurde ich von der Attacke nicht verschont. Schnell flitzte ich die Leiter herunter und versuchte mich in Sicherheit zu bringen. Durch die dicke Kleidung war mein Körper zwar sehr gut geschützt, leider aber nicht mein Kopf. So musste ich ca. drei Stiche hinnehmen, die wegen der dünnen Kopfhaut äußerst unangenehm waren und den Tag danach noch für peinigende Kopfschmerzen sorgten. Eigentlich stellen Hornissenstiche für einen Menschen ohne allergische Reaktionen keine besondere Gefahr dar. Ihr Gift ist nicht toxischer als das der  Bienen oder Wespen. Trotzdem wird der Stich einer Hornisse als ungemein schmerzhafter empfunden, was sicher an dem etwas längeren und stärkeren Stachel liegt. Außerdem enthält das Hornissengift die Komponente Acetylcholin, welches im Bienen- und Wespengift fehlt. Vor ein paar Tagen erhielt ich erneut die Gelegenheit Hornissen im Flug aus und in ihr Astnistloch zu beobachten und zu fotografieren. Dies ließ ich mir trotz meiner schlechten Erfahrung nicht entgehen. Also schnappte ich die Kamera und pirschte mich sehr vorsichtig und ohne Hast an das Astloch heran. Auch dieses Mal blieben die emsig arbeitenden Hornissen unbeeindruckt von meiner Annäherung. Entgegen vieler Vorurteile sind es tatsächlich eher passive und scheue Tiere mit einem großen Appetit auf Insekten. Zu ihrer Beute gehören auch die oft sehr penetranten „Biergarten“ Wespen. So sorgen sie in der Nachbarschaft für einen weitestgehend wespenfreien Sommer. Wegen ihrer akuten Bestandsgefährdung zählt die einheimische Hornisse zu den besonders geschützten Arten, sie dürfen also weder getötet noch dürfen ihre Nester zerstört werden.

  • Gletscherimpressionen – Eindrücke von den letzten Zeugen der Eiszeit

    Wasserfälle entspringen dem Glacier Blanc und bilden Seen oder bahnen sich ihren Weg ins Tal. Ende August habe ich es mit Sebastian und seinen zwei Kindern mal wieder gewagt ins Ausland, genauer gesagt nach Frankreich in das Département Hautes-Alpes zu reisen. Anfangs galt die Region noch nicht als Corona-Gefährdet. Doch kaum hatte wir uns eingelebt erreichte uns die Info, dass wegen der steigenden Infektionen die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur als Risikogebiet eingestuft wurde. Durch eine genauere Recherche fanden wir heraus, dass hauptsächlich die Départements am Mittelmeer mit dem Hotspot Marseilles betroffen sind. Leider wurde unser Randbezirk in den Alpen dennoch ebenfalls zum Risikogebiet erklärt. Aber obwohl die Ereignisse nicht zu unseren Gunsten standen, haben wir die wenigen Tage ausgiebig genossen. Völlig unbeeindruckt von unserer menschlichen Misere zeigte sich die Natur in ihrer Sommerpracht. Die Schmetterlinge sogen die Wärme der Morgensonne auf und der Tau glitzerte auf den blauen Kugeldisteln. Ein Ausflug hat mich besonders beeindruckt: die Wanderung zum Glacier Blanc an der Barre des Écrins, dem südlichsten 4000er der Alpen. Im letzten Jahrhundert hat sich dieser Gletscher noch kilometerweit ins Tal erstreckt. Damals waren die beiden Zungen des Glacier Blanc und Glacier Noir noch miteinander verbunden. Heute haben sich die Gletscher weit zurückgezogen und ein idyllisches Tal mit lichten Wäldern und fruchtbaren Wieseninseln hinterlassen. Dennoch sind die Überbleibsel der Gletscherlandschaft sehr beeindruckend – wie sich das Eis mit dem Fels verzahnt und aus den Fingern der weißen Masse das Wasser in den Felsrinnen ins Tal hinunterrauscht. Auf den Plateaus bilden sich Seen, die das Wasser für einen kurzen Moment zur Ruhe kommen lassen, bevor es wieder Fahrt aufnimmt und sich über die nächste Kuppe in die Tiefe stürzt. Doch wie lange dürfen wir solch eine Szenerie noch betrachten und diesem Spektakel beiwohnen? Die Kinder und auch wir Erwachsene waren beeindruckt in Anbetracht dieser gewaltigen Eismasse, obwohl sie im Grunde nur noch ein Schatten ihres ursprünglichen Ausmaßes ist. Ich stehe beeindruckt vor der Kulisse des Glacier Blanc, einer der letzten Zeugen der Eiszeit. (Bild: Sebastian Gründler)

  • Heimische Schönheiten

    Auch wenn die Ferne immer wieder lockt, weil man glaubt nur in anderen Ländern sein Glück zu finden, ist es für mich doch auch immer wieder schön, die eigene Heimat zu erkunden. Bei einem Morgenspaziergang entdeckte ich einen Schachbrettfalter auf einem Wiesenstück hinter dem Haus. Durch die Kälte erstarrt wartete er sehnlichst im Schatten auf die ersten Sonnenstrahlen, um endlich losfliegen zu können. In dieser Situation hatte ich alle Möglichkeiten unterschiedliche Perspektiven auszuprobieren. Doch mit dem Fortschreiten der Sonne konnte der mittelgroße Falter seine Flügel immer weiter aufschlagen. So musste ich wegen der zunehmenden Wärmeaufnahme nicht mehr lang auf den Abflug warten. Erst zitterten die Flügel ein wenig und dann gab es kein Halten mehr.Der Schachbrettfalter gehört zur Familie der Augenfalter, die sich ausschließlich von grasartigen Pflanzen ernähren. Zu finden sind diese Edelfalter vor allem auf Wiesen und Waldlichtungen.  Die Eier werden einfach auf den Boden fallen gelassen, teilweise sogar während des Flugs. Die Räupchen schlüpfen dann im Spätsommer und ziehen sich sofort in ein Winterquartier zurück. Erst nach der Überwinterung, also im Frühjahr, beginnen sie zu fressen und sich zu einer neuen Faltergeneration zu entwickeln. Einige Tage später entdeckte ich bei einem Spaziergang am Wegesrand ein hohes aber dennoch zierliches Pflänzchen. Manchmal eröffnen sich dem aufmerksamen Beobachter ungewöhnliche Entdeckungen. Bei eingehender Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine heimische Waldorchidee handelte: das Rote Waldvöglein. Diese Orchideenart besiedelt hauptsächlich Laub- und Mischwälder. Wie alle heimischen Orchideen ist auch das Rote Waldvöglein streng geschützt. Der Bestand in Deutschland ist rückläufig. Leider existieren nur noch zerstreute Vorkommen mit kleineren Beständen. Daher ist es sicher nachvollziehbar, dass ich mich über diese Entdeckung sehr freute. Für schöne Aufnahmen besuchte ich mehrmals das Waldstück und musste bedrückt feststellen, wie unachtsam einige dieser zierlichen Blumen am Wegrand behandelt wurden. Viele fand ich achtlos niedergetrampelt. Aber woher sollen die Erholungssuchenden auch wissen, dass es sich um geschützte Orchideen handelt? Eine Infotafel würde zwar Aufschluss bringen, aber höchstwahrscheinlich auch mehr Besucher anlocken, was das Risiko der mutwilligen Zerstörung wiederum erhöhen würde. Schön wäre es aus meiner Sicht, wenn die Natur generell mehr Aufmerksamkeit erfahren würde, auch wenn es sich „nur“ um ein alltägliches Blümlein handelt. Rotes Waldvöglein im Abendlicht. Fränkische Schweiz

  • Kurze Balkanreise in Corona-Zeiten

    Ruhig fließt die Soca im Tal während sich über dem Triglavgebirge ein Unwetter zusammenbraut. Nachdem die Grenzen nach Slowenien und Kroatien geöffnet wurden gab es für mich kein Halten mehr. Ab ins Auto und per Transit durch Österreich nach Slowenien. Unglaublich was für eine Ruhe auf den Campingplätzen herrscht, wenn zur Hauptsaison die Touristen ausbleiben. Einerseits habe ich es genossen, die Schönheit des Socatals nicht wie bisher mit Tausenden von Outdoorbegeisterten teilen zu müssen. Andererseits bedeutet dies für die Menschen, die auf den Tourismus angewiesen sind, einen herben Einbruch. Mittlerweile wagen aber schon die ersten „Mutigen“ die Grenzüberschreitung und das Geschäft kommt ganz allmählich wieder ins Rollen. So kam auch ich seit langer Zeit mal wieder in den Genuss des smaragdfarbenen Flusses „Soca“. Auf den weißen Kalksteinen am Flussufer sonnen sich jede Menge Eidechsen, die – kaum hat man sie entdeckt – blitzschnell in den Löchern und Spalten verschwinden. Auf Grund der Schlechtwetter-Vorhersage ging es bald fluchtartig eine Station weiter nach Kroatien, um hier noch ein paar sonnige Tage zu genießen. Auch in der Nähe des Nationalpark Paklenica entsprach die touristische Situation der Sloweniens. Nur wenige wagten den Weg ins Ausland. Glück für mich. So hatte ich keine Schwierigkeiten selbst zur eigentlichen Hochsaison kurzfristig eine Bleibe zu bekommen. Bei meinen morgendlichen Strandspaziergängen entdeckte ich unzählige Ruineneidechsen. Sie sonnten sich auf den Stämmen der Zypressen, die am Strand der Adria wachsen. Das kräfige Grün ihres Körpers ist eigentlich sehr auffällig, dennoch fallen sie auf den Bäumen mit den ebenfalls kräftig grünen Blättern kaum auf. Am Abend konnte ich Krabben beobachten, die aus dem Meer auftauchten, um am Strand ungestört die Jagd nach Schnecken, Krebsen und Fischen aufzunehmen. Leider ereilte mich auch hier nach ein paar wenigen Tagen die Regenfront und ich entschied mich schweren Herzens für die Heimfahrt.