Hornissen – sind sie wirklich so gefährlich?

Hornisse am Eingang zur Nisthöhle. Baden-Württemberg

Vor zwei Jahren hat mir mein Vater zum ersten Mal ein Hornissennest gezeigt. Unbedingt wollte ich mich mit dem Makroobjektiv auf die Lauer legen und Fotos machen. Mit dem „legen“ war es allerdings so eine Sache, denn das Volk hatte ein Astloch besetzt, das nur mit einer Leiter erreichbar war. Also hieß es Leiter ran und ganz vorsichtig in die Höhe steigen. Im Gegensatz zu anderen Wespenarten sind Hornissen nämlich extrem friedfertig. Sie greifen niemals grundlos an und gehen einem Konflikt lieber aus dem Weg. Mit diesem Wissen nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und hoffte inständig, das das auch stimmte. Anfangs lief auch alles prächtig, die großen Wespen ließen sich von mir überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und gingen emsig ihren Geschäften nach – bis der Hund meiner Eltern aktiv wurde. Fränky, so heißt der jagdbegeisterte Foxterrier, schnappte in wilder Hundemanier nach den fliegenden Brummern und jagte ihnen nach. Die Reaktion der eigentlich friedlichen Hornissen ließ nicht lange auf sich warten. Vor ihrem Heim war an Flucht nicht zu denken. Daher gingen sie zur Verteidigung über. Meine Person vor dem Einflugloch wurde natürlich als Eindringling identifiziert, von der eine Bedrohung ausging – also wurde ich von der Attacke nicht verschont. Schnell flitzte ich die Leiter herunter und versuchte mich in Sicherheit zu bringen. Durch die dicke Kleidung war mein Körper zwar sehr gut geschützt, leider aber nicht mein Kopf. So musste ich ca. drei Stiche hinnehmen, die wegen der dünnen Kopfhaut äußerst unangenehm waren und den Tag danach noch für peinigende Kopfschmerzen sorgten. Eigentlich stellen Hornissenstiche für einen Menschen ohne allergische Reaktionen keine besondere Gefahr dar. Ihr Gift ist nicht toxischer als das der  Bienen oder Wespen. Trotzdem wird der Stich einer Hornisse als ungemein schmerzhafter empfunden, was sicher an dem etwas längeren und stärkeren Stachel liegt. Außerdem enthält das Hornissengift die Komponente Acetylcholin, welches im Bienen- und Wespengift fehlt.

Vor ein paar Tagen erhielt ich erneut die Gelegenheit Hornissen im Flug aus und in ihr Astnistloch zu beobachten und zu fotografieren. Dies ließ ich mir trotz meiner schlechten Erfahrung nicht entgehen. Also schnappte ich die Kamera und pirschte mich sehr vorsichtig und ohne Hast an das Astloch heran. Auch dieses Mal blieben die emsig arbeitenden Hornissen unbeeindruckt von meiner Annäherung. Entgegen vieler Vorurteile sind es tatsächlich eher passive und scheue Tiere mit einem großen Appetit auf Insekten. Zu ihrer Beute gehören auch die oft sehr penetranten „Biergarten“ Wespen. So sorgen sie in der Nachbarschaft für einen weitestgehend wespenfreien Sommer.

Wegen ihrer akuten Bestandsgefährdung zählt die einheimische Hornisse zu den besonders geschützten Arten, sie dürfen also weder getötet noch dürfen ihre Nester zerstört werden.

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