Rückblick 2020: Gedanken zum Corona-Jahr – war wirklich alles so schlecht?

Leider bin ich im vergangenen Jahr nicht so häufig zum Fotografieren gekommen, was nicht nur den Corona-Maßnahmen geschuldet war. Mein 2020 war ein Jahr des Umbruchs, des Neuanfangs, aber auch der Wiederaufnahme. Eine neue Bekanntschaft hat dazu geführt, dass ich alte Outdooraktivitäten, vor allem Paddeln und Klettern, wieder entdeckt habe. Dadurch ist dann das Fotografieren etwas in den Hintergrund geraten, was ich oft bedauerte. Doch ich bin frohen Mutes, dass ich einen Weg finde allen meinen Leidenschaften nachgehen zu können. Sicherlich nicht in dem Umfang, als würde ich mich auf nur eine konzentrieren. Aber oft ist ja nicht die Menge des Konsums ausschlaggebend darüber welchen Mehrwert man daraus zieht, sondern die Qualität.

Damit kommen wir zu meiner nächsten Änderung im vergangenen Jahr. Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, ab Mitte März aufs Land zu ziehen. Daher konnte ich trotz der einschneidenden Maßnahmen, welche die Regierung verhängte, ein relativ freies Leben führen. Außer beim Einkaufen und im Umgang mit Freunden habe ich die verhängten Einschränkungen im Alltag kaum wahrgenommen. In meiner Stadtwohnung wäre ich wahrscheinlich eingegangen, wie eine Primel ohne Wasser.

Bisher hatte ich gerade in den Urlaubstagen die meiste Zeit und Ruhe, mit meiner Kamera loszuziehen und in die Welt der Motive abzutauchen. Jetzt, da Reisen nur bedingt möglich ist, habe ich meinen Fokus verstärkt auf die heimische Umgebung gelenkt. Das finde ich gar nicht so leicht. Denn der Alltag quatscht mir einfach zu oft dazwischen. Obwohl ich ja nun auf dem Land lebe und der Wald in Katzensprungnähe hinter dem Haus liegt, schaffe ich es, für mein Empfinden, viel zu selten mir ein klein wenig Zeit zu nehmen und loszuziehen. Aber ich bleibe dran.

Auch vor der eigenen Tür, bei jedem noch so kleinen Spaziergang, lassen sich tolle Motive finden. Klar – meist nicht ganz so offensichtlich, weil sich vieles im Gewöhnlichen versteckt. Jeder kennt sein Umfeld und gerade da wird am meisten übersehen. Öffnen wir jetzt mal die Augen, bleiben stehen und schauen genauer hin, dann haben wir die Möglichkeit das Besondere im Alltäglichen zu entdecken. Beispielsweise die kräftigen Farben der Gänseblümchen, die fast das ganze Jahr über blühen – in manchen Ländern werden sie die Kleine Margerite genannt. Oder die Meisen, die zwischen den Ästen der Bäume herumturnen. Der Zaunkönig, der am Bächlein oder Tümpel auf die Jagd nach Insekten geht. Der Mäusebussard, der am Straßenrand auf Beute lauert. Oder die Stimmung der Natur, wenn das weiche Licht der Sonne die Landschaft in besondere Farben taucht.

Für viele Menschen war 2020 ein Jahr des Überlebens – sei es gedanklich übertragen im privaten Bereich oder tatsächlich im Wirtschaftlichen bis hin zur Existenzgefährdung oder sogar darüber hinaus. Trotzdem gibt es durchaus auch positive Aspekte, zum Beispiel für unsere ökologische Umwelt. Allein, dass sich der „Earth Overshoot Day“ letztes Jahr um einige Wochen nach hinten verschoben hat und zwar vom 31. Juli auf den 22. August, ist sicherlich eine positive Folge der Lockdown-Regelungen des vergangen Jahres. Schön wäre es, wenn wir einen Weg finden würden, bewusster mit unseren Ressourcen umzugehen. Ich bin überzeugt, wenn jeder im Alltag seinen Teil dazu beiträgt, sind wir auf einem guten Weg. Meiner Meinung nach können wir als Verbraucher schon auch den Markt ein klein wenig lenken. Denn dass wir etwas bewegen können, hat sich im vergangenen Jahr gezeigt.

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